Die Thalaya-Gang - Entstehungsgeschichte

Angefangen hat alles durch einen Zufall, wobei ich lieber sagen möchte, durch einen intuitiven Glücksfall, denn mit wachsender Lebenserfahrung glaube ich immer weniger daran, daß das Leben von Zufällen bestimmt wird.
Ich befand mich inmitten der Schauspielausbildung, als ich von einem Casting für einen Film erfuhr, für den noch Komparsen und Kleindarsteller gesucht wurden. Aus irgendeinem Grund hatte ich den Termin verpaßt, oder nicht wahrnehmen können, was mich aber nicht davon abhielt, trotzdem einen Tag später die entsprechende Adresse aufzusuchen. Ich stellte den Sinn meiner Suche selbst in Frage, aber von unklaren Beweggründen getrieben bin ich zu diesem Ort gefahren, um ein Casting zu erleben, was doch im ursprünglichen Sinne längst stattgefunden hatte, mich aber in etwas anderer Art im Laufe der Zeit zu Neuem anregen sollte...
Was diesen besagten Tag anbetrifft, bin ich schließlich in so etwas wie einer Werbeagentur gelandet, die nur ihren Raum für das vergangene Vorstellungsszenario zur Verfügung gestellt hatte. Man ließ mich trotzdem einen dieser allbekannten langweiligen Bögen zur Information meiner Person für die eigene Kartei ausfüllen. Dabei legte ich ein Foto von mir, auf dem ich mit einer etwas albernen, wenn auch niedlichen Frisur eher einem kleinem Yorckshire-Terrier glich. Dennoch, oder gerade aus diesem Grund meiner Struppigkeit sprach mich ohne mein Winseln ein Bernhardiner, namens Bernward, an, der für die Musikervermittlung zuständig war. Nachdem er registriert hatte, daß ich auch singe fragte er, ob ich ein Demotape, oder eine CD von mir hätte. Flugs wie ein Windhund eilte ich ihm eine CD zu bringen, auf der in einem balladesken Song, geschrieben von einer Grunch-Band, meine zweite hohe Stimme zu hören war. Diese Aufnahme wurde mit großen aufgerichteten Ohren von einem selbst gut jaulenden Hundeliebhaber, namens Uwe gehört. So nahm unser gemeinsames Musikprojekt vorerst mit mir als Einzelinterpretin im Dance-Pop-Bereich seinen Lauf. Auf den Namen Thalaya zumindest im Wortklang kam ich über die griechische Mythologie. Eine von neun Töchtern der Mnemosyne, eine Göttin der Muse, die an nichts anderes als ans Singen gedacht hat, trug diesen Namen. Das erste aufgenommene Lied mit dem Titel ´So long` wurde in Europa und verschiedenen anderen Kontinenten veröffentlicht.


´So kann es weitergehen`, dachte ich, aber natürlich setzte sich der anfängliche Erfolg nicht weiter fort, worüber ich heute froh bin. Schließlich habe ich neben meiner Schauspielerei ein paar Songs aufgenommen, die ich zwar mit Freude persönlich interpretiert habe, mich aber vor dem Hintergrund des musikalischen Stils, nicht mit Herzblut aufleben lassen haben. So schrieb Uwe neue Songs, in denen ich mich mit kompositorischen und textlichen Ideen auch selbst einbrachte und griff meinen Rudelwunsch auf, in einer Band und auch mehrstimmig zu singen. Nach ein paar Monaten spielte mir Uwe eine Aufnahme des mir schon bekannten Songs ´Irresistible` vor, in der eine Sängerin namens Jamue eine Strophe übernommen und eingesungen hatte. Ihre Stimme gefiel uns, und so schlug Uwe vor, sie mit mir bekannt zu machen. Es verging einige Zeit, als es eines Tages im Studio klingelte und eine junge sympathische, im ersten Eindruck etwas zurückhaltende und doch verwegene Frau in der Tür stand. Es war Jamue. An irgendjemanden schien sie mich zu erinnern. Wir begrüßten uns kurz, und ich ging in den Arbeitsraum. Als sie mir folgte, um die Ecke bog und leicht kokettierend mit dem Zeigefinger auf mich gerichtet in der Bedeutung ´Hey, wir kennen uns doch`, im gleichen Zimmer stand, nahm ich ihr diese Worte ab. Mir fiel sofort ein, wie wir uns vor einem halben Jahr auf einem albernen Karaoke-Abend über den Kontakt eines gemeinsamen Freundes zum ersten mal begegnet sind. Bevor mir das bewußt wurde, dachte ich bei dem Namen Jamue nicht gleich an sie, hatte ihre Stimme auf der Aufnahme auch nicht wiedererkannt, geschweige denn, daß ich sie am Tage des Wiedersehens unmittelbar als die Frau wahrgenommen hätte, mit der ich schon vor Monaten bekannt gemacht worden bin, was u.a. daran gelegen haben mag, daß sie mir viel schmaler erschien, schätzungsweise mit 10 Kilo weniger auf den Rippen.
Wir begannen die ersten Songs zweistimmig zu singen. Nun fehlte uns noch eine Sängerin zum Trio. Uwe dachte an eine Backroundsängerin der Gruppe ‘Amleset’, namens Matutja. Wir luden sie ein und waren vom ersten Moment an begeistert. Das besondere an Matutja ist ihr Spagat, den sie leistet zwischen ihrer klassischen Gesangsausbildung und der Soul-Diva bishin zur Rock-Röhre, die ich nun leider heute vermisse, so wie mir auch die Expressivität und zugleich Melancholie von Jamue fehlt. Dies hindert mich aber nicht daran, meinen Weg weiterzuverfolgen.